Deich im Rheinbogen: Stationen eines Jahrhundertprojekts

Mitte der 1980er-Jahre ließ das Staatliche Umweltamt (StUA) Krefeld die Standsicherheit der Deiche im Regierungsbezirk Düsseldorf überprüfen. Es zeigte sich, dass viele Deichabschnitte keine ausreichende Standsicherheit hatten und zu niedrig waren für das 1977 von der Bezirksregierung festgelegte Bemessungshochwasser.

Deiche mit einer Gesamtlänge von 150 Kilometern waren demnach sanierungsbedürftig. Zu den 33 Kilometern, die vordringlich saniert werden mussten, gehörte auch der Monheimer Rheindeich.

Um den riesigen Aufwand zu koordinieren und ein Gesamtkonzept für den Hochwasserschutz in Nordrhein-Westfalen zu erhalten, gab das StUA 1989 den Generalplan "Hochwasserschutz am Niederrhein" in Auftrag, der im Jahr darauf vorgelegt wurde. Darin enthalten waren erstmals Überlegungen zur Schaffung von Rückhalteräumen, um den Scheitel des Rheinhochwassers zu reduzieren und verzögern.

Die Internationale Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) stellte später eine Vielzahl flankierender Maßnahmen entlang des gesamten Rheins vor, um schnell ablaufende Hochwasserwellen zu bremsen und abzuflachen. Für elf Rückhalteräume im Regierungsbezirk Düsseldorf wurde eine Machbarkeitsstudie erstellt. Einer dieser vorgeschlagenen Rückhalteräume war der Monheimer Rheinbogen.

Die Internationale Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR) stellte später eine Vielzahl flankierender Maßnahmen entlang des gesamten Rheins vor, um schnell ablaufende Hochwasserwellen zu bremsen und abzuflachen. Für elf Rückhalteräume im Regierungsbezirk Düsseldorf wurde eine Machbarkeitsstudie erstellt. Einer dieser vorgeschlagenen Rückhalteräume war der Monheimer Rheinbogen.

Nach den Überschwemmungen in den Ufergebieten von Rhein und Maas 1993 und 1995 arbeiteten mehrere Länder zusammen, die im Einzugsgebiet der Flüsse liegen. Im Rahmen einer Initiative der Europäischen Kommission legten Deutschland, Frankreich, die Niederlande, Belgien und die Schweiz ein Programm zum vorbeugenden Hochwasserschutz vor. Dieses Programm wurde 1997 genehmigt und steht unter dem Kürzel IRMA für "Interreg Rhein-Maas Aktivitäten".

Mehr Platz für den Rhein

Der Rhein braucht viel Platz, wenn er sich bei Hochwasser ausdehnt. Ist dieser Platz nicht vorhanden, weil die Deiche – um Flächen für Industrie, Landwirtschaft und Städtebau zu gewinnen – immer näher an die Ufer gerückt wurden, steigt der Wasserspiegel zwangsläufig an. Um dem entgegenzuwirken, sind eine Vielzahl von Maßnahmen am Rhein von der Quelle bis zur Mündung notwendig. Eine ist die Schaffung von Rückhalteräumen.

Insgesamt sollten in Nordrhein-Westfalen bis 2010 elf Rückhalteräume mit einem Fassungsvermögen von 174 Millionen Kubikmetern realisiert werden, davon entfallen acht Millionen auf Monheim. Ziel ist es, bis 2020 nach Realisierung aller Maßnahmen auch am Oberrhein die Hochwasserscheitel um mehrere Dezimeter zu senken.

Das Projekt im Monheimer Rheinbogen

Die Stadt Monheim am Rhein, die Bayer AG als hauptbetroffener Grundeigentümer und das Land Nordrhein-Westfalen schlossen im Juni 1997 einen Vertrag, in dem die Deichrückverlegung im Monheimer Rheinbogen und deren Finanzierung geregelt wurde. Vorausgegangen war die Machbarkeitsstudie, die Prüfung der Umweltverträglichkeit und ein technischer Vorentwurf. Bayer stellte rund 160 Hektar der für den Deich und den Rückhalteraum benötigten Fläche zur Verfügung. Das Projekt lässt sich wie folgt unterteilen:

Erddeich

Neubau eines rückverlegten Deichs mit einer Höhe von 3,5 bis sechs Metern von Heilerberg bis zum Anschluss an den alten Deich Am Werth. Der neue Deich wurde für das Bemessungshochwasser gebaut, was einem Pegelstand von 11,90 Meter am Pegel Köln entspricht.

Hochwasserschutzwand

Aufgrund des beengten Platzes wurde der vorhandene Deich von Am Werth bis Kapellenstraße durch eine Spundwand an das Bemessungshochwasser angepasst. Der oberirdische Teil der Spundwand ist mit einer Klinkermauer verkleidet. Die rund 1000 Meter lange und zwölf Meter tiefe Spundwand erhöht die Standsicherheit des 1928/29 gebauten Deiches.

Deichöffnung

Abtragung des vorhandenen Deiches von etwa der Mitte des Rheinbogens bis zum bisherigen Deich am Werth. In der neu geschaffenen Aue wurden 716 Bäume und 35.000 Quadratmeter Gehölze gepflanzt. 158.300 Quadratmeter Ackerfläche wurden in Grünland umgewandelt.

Nicht standortgerechte Gehölze wurden entfernt. Der restliche Deich bleibt als Leitdeich erhalten, damit der Rhein nicht sein Flußbett verlagert. Die Gebäude im Rückhalteraum – Schalthaus der Firma Bayer, Gaststätte und Campingplatz am Oedstein, Gemüsegärtnerei Müller – wurden abgerissen und die Flächen renaturiert.

Dichtwand

Zum Schutz der Siedlung Zaunswinkel vor einem beschleunigten Grundwasseranstieg über das vor dem Deichneubau bekannte Niveau wurde eine Dichtwand bis fast 30 Meter Tiefe gebaut. Die Dichtwand erstreckt sich von der Bleer Straße in Höhe Heilerberg entlang des Reiterhofes und unter dem rückverlegten Deich bis zum vorhandenen Deich am Werth.

Planung und Baubeginn

Nach Abschluss der Genehmigungsplanung und Freigabe durch den Rat der Stadt Monheim am Rhein wurden die Unterlagen in 25-facher Ausführung in 75 Aktenordnern mit der Bitte um Einleitung des Planfeststellungsverfahrens zur Bezirksregierung nach Düsseldorf gebracht. Die gleichzeitig von der Stadt geleistete Öffentlichkeitsarbeit führte zu einer breiten Akzeptanz des Projekts.

Das Planfeststellungsverfahren wurde ohne große Einwände mit dem Erörterungstermin am 14. April 1999 und der Erteilung des Planfeststellungsbeschlusses durch die Bezirksregierung am 31. August 1999 abgeschlossen. Damit rückten der Bau des Deiches und die Sicherung der Monheimer Bevölkerung und ihrer Wirtschaftsgüter vor extremem Hochwasser in greifbare Nähe.

Bis März 2000 folgte die Ausführungsplanung, anschließend die EU-weite Ausschreibung des Projekts. Statt eines ersten Spatenstichs wurden am 29. März 2000 die Modelle zweier Kunstwerke enthüllt, die jetzt den neuen Deich schmücken: Die Skulptur "Vierte Dimension" von Karl-Heinz Pohlmann und die kinetische Plastik "Flusszeichen" von Inge Welsch. Die Plastiken der beiden Monheimer Kunstschaffenden markieren Anfang und Ende der Hochwasserschutzmauer zwischen Am Werth und Kapellenstraße.

Bei der Feierstunde im Garten des Deusser-Hauses sprachen Landesumweltministerin Bärbel Höhn und IRMA-Programm-Managerin Jacqueline Laman. Bürgermeister Thomas Dünchheim betonte, für Monheim am Rhein gehe es um ein Jahrhundertprojekt.

Am 17. Mai 2000 wurden die Bauleistungen vergeben, am 13. Juni war Baubeginn. Eine 70 Tonnen schwere Planierraupe schob auf der werdenden Deichtrasse den Mutterboden weg. Die ehemalige Gärtnerei Müller diente als Baubüro. Dort hielten Einzug: die "Arbeitsgemeinschaft Deich Monheim" der Firmen Amand, Hejmanns und Bilfinger & Berger, die Oberbauleitung der Stadt Monheim am Rhein und das mit Planung und Bauleitung beauftragte Ingenieurbüro Schulze.

Lastwagenkette mit 800 Kilometern Länge

Rund 30,7 Millionen Euro werden in die Deichverlegung und die Schaffung eines 200 Hektar großen Rückhalteraums für acht Millionen Kubikmeter Wasser investiert. Rund 22,2 Millionen Euro übernimmt das Land Nordrhein-Westfalen, rund 5,4 Millionen die Europäische Kommission im Rahmen von IRMA und rund 3,1 Millionen die Stadt.

Bis Ende 2000 wurde die über 60.000 Quadratmeter große Dichtwand fertiggestellt. Nachdem der Winter 2000/2001 mit seinen schier endlosen Schlechtwetterperioden überstanden war, wurde mit Hochdruck der Bau des eigentlichen Banndeiches fortgesetzt. Dabei waren etliche logistische Probleme zu lösen, denn ein ordentlicher Erdbau kann nur bei trockenem Wetter erfolgen.

Immerhin mussten 550.000 Kubikmeter Boden zur Baustelle transportiert und bewegt werden. Dazu waren rund 54.000 Lkw-Fahrten notwendig. Würde man die Transporter hintereinander aufstellen, ergäbe das eine Fahrzeugkette von über 800 Kilometern Länge.

Qualität wurde streng überwacht

Zuerst wurde aus dichtem Lehm das Deichlager erstellt, danach der Deichkörper aufgebaut. Er besteht aus der inneren Kerndichtung, die an die Dichtwand angeschlossen ist, und den umgebenden Stützkörper. Es genügte nicht, das Bodenmaterial anzufahren, abzukippen und ein wenig einzuplanieren. Bis zu fünf große Raupen und drei Hochleistungswalzen waren im Einsatz, um den Boden auf das erforderliche Maß zu verdichten.

Der gesamten Baumaßnahme lagen strenge Qualitätssicherungspläne zugrunde. Bereits bei der Bodenentnahme wurden Proben genommen, um festzustellen, ob das Material den Anforderungen eines standsicheren Deiches entspricht. Die Bodenqualität wurde auch im Hinblick auf Wasserdurchlässigkeit und Dichte geprüft. Die Qualität der Arbeiten wurde durch Eigen- und Fremdüberwachung sichergestellt. Die Bauüberwachung erfolgte durch das StUA.

Viele Besucher auf der Baustelle

Die Großbaustelle erweckte sehr viel Interesse bei der Bevölkerung. Über 700 Personen – sowohl Fachleute als auch Laien – nahmen an den von der Stadt angebotenen Führungen teil, geleitet vom Beigeordneten Dipl.-Ing. Gerd Spiecker und dem Projekt-Verantwortlichen Dipl.-Ing. Rainer Fester. Auch zwei chinesische Delegationen und Abordnungen aus den Monheimer Partnerstädten ließen sich auf der Baustelle informieren.

Vater Rhein überschwemmt die Aue

Im Sommer 2001 begann die Abtragung des alten Deiches bis zum Leitdeichkopf. Die ausgehobene Flutmulde stellt sicher, dass der Rückhalteraum nach dem Hochwasser wieder weitestgehend leer läuft. Damit war klar: Beim nächsten Hochwasser würde der Rhein in den neuen Rückhalteraum einströmen.

Die Baufirma stellte den Hochwasserschutz planmäßig bis Ende November 2001 sicher. Somit konnten alle mit einem sicheren Gefühl in die bevorstehende hochwassergefährdete Zeit gehen. Am 28. Februar 2002 war es soweit: Bei einem Kölner Pegel von 8,56 Metern lief das Rheinwasser erstmals in den neu geschaffenen Rückhalteraum. Der Deich hat bei Rhein-Kilometer 713 (Am Werth) eine Höhe von 43,19 Metern über Normalnull. Damit liegt er 5,3 Meter über dem Gelände, was einem Kölner Pegel von 11,90 Metern plus ein Meter Freibord entspricht.

Wegebau und Landschaftsgestaltung prägten die Schlussphase des Großprojekts im Rheinbogen. Wanderern, Radlern, Skatern und Reitern eröffnen sich viele neue Wege. Aber auch an Rückzugsgebiete für das Wild wurde gedacht. Sie sind so angelegt, dass sich die Tiere bei Hochwasser auf höher gelegene Bereiche retten können. Deshalb sind die Besucher des Rheinbogens dringend aufgefordert, bei Hochwasser den Altdeich nicht zu betreten und Hunde an der Leine zu halten, damit das Wild nicht in die Fluten zurückgetrieben wird.

Eröffnung des neuen Deichs am 15. Juli 2002

Offiziell eröffnet wurde der neue Deich am 15. Juli 2002 von Bärbel Höhn, Ministerin für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalens, Bürgermeister Dr. Thomas Dünchheim und vielen interessierten Gästen.

Bürgermeister Dr. Thomas Dünchheim spricht zur Eröffnung des neuen Deiches. Links neben ihm steht Bärbel Höhn, Ministerin für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen. Hinter der Ministerin die beiden Pfarrer Falk-Rüdiger Breuer (links) und Winfried Motter.

Am Rednerpult Pfarrer Winfried Motter von der katholischen Pfarrgemeinde St. Gereon (links) und Pfarrer Falk-Rüdiger Breuer von der evangelischen Kirchengemeinde.

Vodere Reihe von links: Evangelischer Pfarrer Falk-Rüdiger Breuer, katholischer Pfarrer Winfried Motter, Landesumweltministerin Bärbel Höhn, Ehrenbürgermeisterin Ingeborg Friebe und Bürgermeister Dr. Thomas Dünchheim. Hinter der Ministerin steht Landrat Thomas Hendele.

Nach der Einweihungsfeier erkunden die Gäste den neuen Deich.

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