Wenn Kinder Hilfe brauchen – Jugendamt sucht Pflegeeltern

Jedes Kind braucht für seine Entwicklung in den ersten Lebensjahren ein besonders großes Maß an Zuwendung, Sicherheit, Verständnis und Liebe. Die Mehrzahl der Kinder erlebt dies in den Familien durch seine Eltern und Geschwister.

Es gibt jedoch in Familien Situationen, die sich nachteilig auf die Entwicklung von Kindern auswirken können, wie die Trennung oder Scheidung der Eltern, Krankheit oder Tod eines Elternteils, die Berufstätigkeit beider Eltern oder eine mangelnde Erziehungsfähigkeit der Eltern.


Hilfe abgestimmt auf die jeweilige Situation

So wie es unterschiedliche Ursachen für die Situation eines Kindes gibt, sind unterschiedliche Formen der Hilfe erforderlich. In manchen Fällen suchen die Eltern selbst um Hilfe nach, zum Beispiel, wenn sie berufstätig oder krank sind oder sich in Kur begeben müssen. Diese Kinder brauchen nur in der Zeit, in der ihre leiblichen Eltern nicht für sie da sein können, eine andere Familie, in der sie betreut und versorgt werden. Hier kommen entweder die Tagespflege (das Kind wird tagsüber aufgenommen und kehrt abends zu den leiblichen Eltern zurück) oder die Kurzzeitpflege (für eine begrenzte Zeit lebt das Kind ständig in einer Pflegefamilie, etwa beim Krankenhausaufenthalt der Mutter, oder wenn diese kurzzeitig ins Gefängnis muss) in Betracht.

Es gibt aber auch immer wieder Familien, die trotz Hilfestellungen (Jugendamt, Beratungsstelle, Familienhilfe usw.) nicht in der Lage sind, ihre schwierige Situation gemeinsam zu bewältigen – dann kann die Unterbringung der Kinder außerhalb des Elternhauses notwendig werden. Wenn Kinder vorübergehend oder auch dauerhaft in ihrer Familie nicht nach ihren Bedürfnissen versorgt werden können, bieten Pflegefamilien eine wichtige Alternative zur Heimerziehung. Alle Kinder brauchen beständige liebevolle Bezugspersonen, ganz besonders jedoch Kinder, die in ihrer Lebensgeschichte schon Trennungen, Versorgungsmangel, Gewalt oder andere tiefgreifende Verletzungen ihrer Persönlichkeit erfahren haben.


Halt in der Pflegefamilie

In einer Pflegefamilie finden diese Kinder und Jugendlichen einen für sie überschaubaren Alltagsrahmen. Mädchen und Jungen, für die Pflegefamilien gesucht werden, sind in der Regel weniger weit entwickelt als wohlbehütet aufgewachsene Gleichaltrige.

Ihr ganzes Verhalten ist geprägt von den wenig positiven Erfahrungen ihres jungen Lebens. Mal versuchen sie durch Aggressivität auf sich aufmerksam zu machen. Mal ziehen sie sich in sich selbst zurück wie in ein Schneckenhaus. Manche haben so schwere seelische Schäden erlitten, dass sie Berührungen nicht ertragen können, obwohl sie sich nach nichts mehr sehnen als nach Zärtlichkeit und Liebe.

Andere fallen durch ihren Hunger nach Zuneigung auf, durch Essstörungen oder durch Einnässen. Sie brauchen dann umso mehr liebevolle Bezugspersonen, die sie zuverlässig versorgen, sie trösten und auf ihre Schwierigkeiten und Wünsche eingehen.

Kinder erleben die Trennung von den Eltern in der Regel als Katastrophe. Egal was immer ihnen Vater oder Mutter angetan haben, sie hängen an ihnen und begreifen nicht, warum man sie aus der vertrauten Umgebung herausreißt. Sie können nicht mit ihrer Familie leben, aber auch nicht ohne sie. Ihr Vertrauen in Beziehungen ist fundamental erschüttert. Kinder deuten die Trennung von den Eltern vielfach als persönliche Niederlage und fühlen sich unerwünscht, minderwertig oder unwürdig. Unsicherheit und Angst haben lange Zeit einen festen Platz in ihrem Leben.

In der neuen Umgebung einer Pflegefamilie gehen sie sehr unterschiedlich mit der Erfahrung von Trennung und Verlust um. Erst wenn sie merken, dass die Pflegeeltern sie ohne Vorbehalt mögen und akzeptieren - so wie sie nun mal sind -, werden diese Kinder wieder Bindungen eingehen und die Zuneigung der Pflegeeltern erwidern können.


Pflegefamilie meist nur auf Zeit

Der Verbleib dieser Kinder in einer Pflegefamilie ist grundsätzlich zeitlich begrenzt. Die Kinder brauchen so lange die Hilfe einer Pflegefamilie, bis ihre leiblichen Eltern wieder in der Lage sind, die Verantwortung für sie zu übernehmen. Dann kehren die Kinder in der Regel zu ihren Eltern zurück. Wie lange sie in der Pflegefamilie leben, ist zu Beginn oft nicht klar.

Auch während des Lebensabschnitts, den sie bei der Pflegefamilie verbringen, sollen die Beziehungen zu den Eltern erhalten und gefördert werden. Pflegeeltern sollten hier alles tun, um zwischen dem Kind und seinen Eltern keine Barrieren aufzubauen. Sie sollten dem Kind verlässliche Partner sein, einspringen, wenn sie gebraucht werden und loslassen, wenn ihre Hilfe nicht mehr nötig ist.

Pflegekinder können sehr wohl befriedigende Beziehungen zu beiden Familien haben, wenn sie nicht zum Prellbock ständiger Konkurrenz zwischen den Elternfraktionen gemacht werden. Von besonderer Bedeutung ist deshalb eine positive Grundeinstellung gegenüber den Eltern des Pflegekindes und die Bereitschaft, mit ihnen vertrauensvoll umzugehen. Pflegeeltern sollten versuchen, die Eltern des Kindes in ihrer eigenen Art zu verstehen und Verständnis für die Probleme der Eltern haben.

Es gibt auch Lebensumstände, die es erforderlich machen, dass das Kind seinen dauerhaften Lebensmittelpunkt in der Pflegefamilie haben wird, und eine Rückkehr in seine Familie ausschließen. In diesen Situationen wird es Ziel der Pflegeeltern sein, dem Kind zu helfen, seine Trauer zu bewältigen, ihm Sicherheit über seinen Verbleib zu geben, die Vergangenheit zu bearbeiten, ihm zu helfen, sein Selbstwertgefühl zu erhalten und - wo möglich - weiter Kontakt zu den Eltern zu haben.

Gleichgültig, ob ein Kind wieder in seine Familie zurückkehren kann oder auf Dauer bei seiner Pflegefamilie bleibt, es ist immer ein Kind "mit zwei Familien". Es muss sich in seiner neuen Umgebung zurechtfinden und lernen, die neuen Erfahrungen mit dem bisher Erlebten in Einklang zu bringen. Es geht neue Beziehungen ein, hat aber auch Bindungen an sein Elternhaus. Das Kind kann dadurch verunsichert sein. Pflegeeltern sollten die Bindungen, Erfahrungen und die bisherige Entwicklung des Kindes anerkennen können. Nur wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, kann das Pflegekind sich positiv mit seiner Vergangenheit auseinandersetzen und mit seiner Gegenwart und seiner Zukunft identifizieren.


Wichtige Voraussetzungen für Pflegefamilien

Um ein Pflegekind aufnehmen zu können, muss man keine pädagogische Berufsausbildung haben. Grundsätzlich können verheiratete und nicht verheiratete Paare, aber auch Einzelpersonen, mit oder ohne eigene Kinder, Pflegepersonen werden. Die Voraussetzungen sind oft günstiger, wenn in Pflegefamilien Vater und Mutter als Rollenvorbilder für das Kind zur Verfügung stehen. Aber nicht jedes Kind braucht alle Funktionen einer Pflegefamilie. Je nach Alter, Biografie und aktueller Lebenssituation sind unterschiedliche "Familien"-Konzepte denkbar. Solche, bei denen es um Elternersatz geht, bei denen die Erziehung im Vordergrund steht, und wieder andere, bei denen sich eher ein freundschaftliches Verhältnis anbietet.

Unabhängig davon, in welche Form von Lebensgemeinschaft ein Pflegekind aufgenommen werden soll, gibt es ein paar unverzichtbare Voraussetzungen:

  • Wohnung oder Haus müssen groß genug sein.
  • Die finanziellen Verhältnisse sollten gesichert sein.
  • Geduld und Durchhaltevermögen sind genauso wichtig wie viel Zeit. Besonders jüngere oder sehr verstörte Kinder brauchen anfangs ihre neuen Eltern rund um die Uhr. Mit voller Berufstätigkeit ist das nicht vereinbar.
  • Alle, die sich entschließen ein Pflegekind aufzunehmen, sollten belastbar sein und bereit, auf lange Zeit zu geben, zu geben und immer wieder zu geben.
  • Bereitschaft zur persönlichen Auseinandersetzung mitbringen.
  • Sie sollten grundsätzlich zur Zusammenarbeit mit der Herkunftsfamilie bereit sein.
  • Für die Pflegefamilie findet eine gewisse Öffnung des privaten Bereichs nach außen durch die Kontakte mit den Fachkräften des Jugendamtes und den Herkunftseltern statt.

Situation und Motivation prüfen

Bei der Entscheidung für ein Pflegekind ist es wichtig, die eigene persönliche und familiäre Situation zu bedenken. Dazu gehören persönliche Erfahrungen, der Lebensstil, eigene Normen und Werte, sowie die Vorstellungen von Familie und Erziehung. Die Entscheidung sollte von allen Familienmitgliedern mitgetragen werden, da sich durch das Hinzukommen eines neuen Familienmitglieds (wie auch durch die Geburt eines weiteren eigenen Kindes), die Beziehungen und Rollen in der Familie verändern. Man kann sich das anschaulich wie ein Mobile vorstellen: Immer, wenn ein Teil hinzugefügt oder weggenommen wird, müssen die anderen Teile einen neuen Platz finden, damit das Gleichgewicht erhalten bleibt.

Eine ganz wichtige Rolle spielt auch die Frage der Motivation: "Warum wollen wir / will ich ein Pflegekind aufnehmen?" Denn von der Antwort kann es abhängen, ob ein Pflegeverhältnis gelingt oder scheitert. Die Aufnahmegründe beeinflussen die Erwartungen an das Pflegekind. Sie kennzeichnen die Voraussetzungen und Lebensumstände, denen es in seiner neuen Familie begegnen wird. Es gibt keinen Grund ein bestimmtes Motiv geringzuschätzen, wenn es den Bedürfnissen eines zu versorgenden Kindes und seinen Erwartungen an die Pflegeeltern entspricht.


Hilfe vom Jugendamt

Aufgabe des Jugendamtes ist es, für jedes Kind, das Hilfe braucht, die passende Familie zu finden, die es so annehmen kann wie es ist, mit all seinen Stärken und all seinem auffälligen Verhalten. Jede Familie bedarf deshalb zur Aufnahme eines Pflegekindes der Erlaubnis des Amtes und alle Pflegeverhältnisse unterliegen dessen Aufsicht. Während das Jugendamt sich früher mehr über seine Kontrollfunktion im Rahmen der "Pflegekinderaufsicht" definierte, stehen heute Vorbereitung, Beratung und Unterstützung der Pflegefamilie im Vordergrund.

Speziell für diese Aufgabe, steht jeder Monheimer Pflegefamilie ihre Sozialpädagogin zur Seite. Sie ist die "Frau für alle Fälle" und kann in allen Situationen von Pflegeeltern und Pflegekindern angesprochen werden, in denen sie Rat und Hilfe erwarten.

Gisela Hein-Müller und Gudrun Scheckler-Dräger vom Pflegekinderdienst des städtischen Jugendamtes halten Kontakt zu den Pflegefamilien, vermitteln aber auch bei Konflikten mit den leiblichen Eltern, der Schule oder dem Kindergarten; sie beraten im Bedarfsfall zu finanziellen und Versicherungsfragen und kümmern sich um zusätzliche Hilfen, wenn das Pflegeverhältnis dies erforderlich macht.

Die Stadt Monheim am Rhein zahlt für das Kind ein Pflegegeld sowie einen Betrag für die erzieherische Leistung der Pflegeeltern. Außerdem können verschiedene Beihilfen (Erstausstattung, Einschulung, Nachhilfe usw.) beantragt werden.

Kontakt

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Telefon:
02173 951-5114
Telefax:
02173 95125-5114
E-Mail:
[E-Mail] GHein-Muellerdo not copy and be happy@monheimdot or no dot.de
Gudrun Scheckler-Dräger

Raum 1.07

Telefon:
02173 951-5115
Telefax:
02173 951-255115
E-Mail:
[E-Mail] GScheckler-Draegerdo not copy and be happy@monheimdot or no dot.de
Sandra Stollenwerk-Blaschek

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