Monheim-Lexikon: Friebe, Ingeborg

Ehrenbürgermeisterin rettete die Selbstständigkeit der Stadt

Ingeborg Friebe gehört zu den prägenden Gestalten der jüngeren Stadtgeschichte. Als Kommunal- wie auch als Landespolitikerin erwarb sie sich große Anerkennung. Von 1976 bis 1997 war Ingeborg Friebe Monheimer Bürgermeisterin, von 1975 bis 1995 gehörte sie dem nordrhein-westfälischen Landtag an und war dessen Präsidentin von 1990 bis 1995.

Als Tochter einer politisch engagierten Familie kam Ingeborg Friebe (geborene Röhr) am 20. April 1931 in Braunschweig zur Welt. Während des Dritten Reichs waren ihre Eltern Repressalien durch die Gestapo ausgesetzt. Mit knapp 14 Jahren trat Ingeborg Friebe dem Braunschweiger Jugendbund bei, der 1947 in der Sozialistischen Jugend „Die Falken“ aufging.

Nach der Volksschule war sie Arbeiterin in einer Nährmittelfabrik und besuchte die Kaufmännische Berufsschule. 1946 trat Friebe der Gewerkschaft bei. Sie wurde zudem beruflich für den Deutschen Gewerkschaftsbund tätig. Von 1950 bis 1954 war sie Landesjugendleiterin der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen in Niedersachsen, anschließend bis 1962 Landesfrauenleiterin. 1952 heiratete sie den Gewerkschaftssekretär Horst Friebe, mit dem sie bis zu seinem Tod 2008 zusammenblieb.

Ende 1966 zog die Familie, zu der inzwischen zwei Söhne gehörten, aus beruflichen Gründen von Braunschweig nach Baumberg. Hier begann nun die politische Laufbahn von Ingeborg Friebe, die bereits seit 1950 der SPD angehörte. 1969 wurde sie sowohl in den Monheimer Rat als auch in den Kreistag des Rhein-Wupper-Kreises gewählt. Der SPD-Unterbezirk Rhein-Wupper machte sie überdies 1970 zu seiner Vorsitzenden – als erste Frau in dieser Funktion.

Bedeutungsvoll wurde Friebes Wahl in den nordrhein-westfälischen Landtag am 4. Mai 1975. Zu dieser Zeit waren Monheim und Baumberg nach Düsseldorf eingemeindet. Ingeborg Friebe setzte ihr Mandat daran, im Landtag eine Mehrheit für ein Gesetz zu finden, das Monheim die Selbstständigkeit zurückbrächte. Der hartnäckige Einsatz führte schließlich zum Erfolg:

  • Am 19. Mai 1976 berät der Landtag in zweiter Lesung darüber, ob Monheim wieder selbstständig oder mit Langenfeld zusammengeschlossen werden solle. Nach mehr als dreistündiger Debatte wird abgestimmt. Weil die Mehrheit nicht eindeutig erkennbar ist, erfolgt ein zweiter Durchgang per „Hammelsprung“. Durch persönliche Ansprache gelingt es Ingeborg Friebe, 103 Abgeordnete auf ihre Seite zu ziehen. Nur 88 stimmen gegen Monheims Selbstständigkeit.
  • Am Tag darauf bestätigt die dritte Lesung des „Düsseldorf-Reparatur-Gesetzes“ endgültig, dass Monheim wieder selbstständig wird. Nur 16 der anwesenden 194 Abgeordneten stimmen dagegen. Das Ergebnis löst in Monheim Jubel mit Freibier und Freudenfeuern aus.

Dieser Erfolg, der Ingeborg Friebe den Beinamen „Mutter Courage“ einbrachte, bahnte ihr den Weg ins Monheimer Rathaus. Bei der Kommunalwahl am 3. Oktober errang sie als Spitzenkandidatin der SPD die absolute Mehrheit für ihre Partei – und verteidigte sie bei den vier folgenden Wahlen, letztmals 1994. Am 21. Oktober 1976 wählte sie der Rat zur Bürgermeisterin – als erste Frau in diesem Amt. Sie übte es 21 Jahre lang aus. 1997, nachdem Dr. Hans-Dieter Kursawe zum hauptamtlichen Bürgermeister gewählt worden war, wurde Friebe stellvertretende Bürgermeisterin und blieb es bis zu ihrem Ausscheiden aus dem Rat 1999.

Nicht nur bei den Kommunalwahlen blieb Ingeborg Friebe der Erfolg treu. 1980, 1985 und 1990 holte sie in ihrem Wahlkreis das Direktmandat für den Landtag. Das Parlament wählte sie 1985 zur Vizepräsidentin, 1990 dann zur Präsidentin – als erste Frau in diesem Amt. 1995 trat sie nicht wieder für den Landtag an.

1981 war Ingeborg Friebe erstmals mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden, höhere Stufen folgten 1988, 1994 (aus der Hand von Ministerpräsident Johannes Rau, mit dem Friebe eng vertraut war) und 2011, aus der Hand von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Mit zahlreichen weiteren Ehrungen wurde Friebes Einsatz auf vielen Gebieten gewürdigt. So wurde sie zu ihrem 60. Geburtstag Ehrenbürgerin von Monheims Partnerstadt Wiener Neustadt. Die höchste Monheimer Auszeichnung, den [intern]Ehrenring, erhielt sie 1996.

Drei Jahre später nahm Friebe Abschied von der Kommunalpolitik. Als Würdigung ihrer Lebensleistung zum Wohle der Stadt wurde sie im Jahr 2000 zur Ehrenbürgermeisterin ernannt – eine bisher einmalige Auszeichnung.

Stationen – Ereignisse – Projekte

  • 1973 war Friebe an der Gründung des deutsch-israelischen Studienkreises der Volkshochschule beteiligt. Die stete Pflege freundschaftlicher Beziehungen zu Israel mündete 1989 in den Abschluss der Städtepartnerschaft mit Tirat Carmel.
  • Als das ehemalige Römerkastell Haus Bürgel 1989 von der Nordrhein-Westfalen-Stiftung angekauft wurde, gründete Ingeborg Friebe die Interessengemeinschaft Urdenbacher Kämpe – Haus Bürgel und übernahm deren Vorsitz bis 2007.
  • Zu ihrem 60. Geburtstag bat Ingeborg Friebe um Spenden für die Errichtung eines Geburtshauses in einem Dorf im Senegal. Über 35 000 Mark kamen zusammen.
  • Motto: „Da schwätzt man nicht lang, das tut man halt.“

Aus Ingeborg Friebes Amtszeit als Bürgermeisterin

  • Erster [intern]Gänselieselmarkt (1977), Eröffnung des Freibads (1978), Beginn der Erdgasversorgung (1978), Ausbau der [intern]Baumberger Chaussee (1978/1981), Einrichtung der Sozialstation (1979), Ansiedlung des Bayer-Pflanzenschutzzentrums (1981), Eröffnung der Feuer- und Rettungswache Paul-Lincke-Straße (1981).
  • Gründung der Gesamtschule (1982), Verlegung der [intern]Bahngleise aus der Stadtmitte (1983), Einweihung der Liselott-Diem-Sporthalle (1983), Eröffnung der Bürgerwiesen in Monheim (1984) und Baumberg (1995), Eröffnung des [intern]Deusser-Hauses (1985), Eröffnung des [intern]Rathaus-Centers (1988/1993).

Letzte Änderung: 31. Oktober 2013

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