Monheim-Lexikon: Haus Bürgel

Haus Bürgel im Naturschutzgebiet Urdenbacher Kämpe birgt die Überreste eines spätrömischen Militärkastells in sich. Den Verlauf der Kastellmauern zeichnet der heutige Vierkanthof noch weitgehend nach. Er liegt ganz im Norden des Monheimer Stadtgebiets, dicht an der Grenze zu Düsseldorf. Durch seine rund zweitausendjährige Geschichte ist Haus Bürgel ebenso geprägt wie durch seine Lage in einer der letzten rheinischen Auenlandschaften, dem Naturschutzgebiet Urdenbacher Kämpe.

Militärkastell mit zwölf Türmen und zwei Toren

Die ältesten in Bürgel gefundenen Spuren römischer Besiedlung stammen aus dem 1. Jahrhundert. Am Niederrhein markierte der Fluss die Grenze zwischen dem römischen Gebiet auf dem linken Ufer und dem germanischen auf dem rechten. Germanen auf Kriegs- und Beutezug setzten der Rheingrenze immer wieder heftig zu. Zu den Maßnahmen römischer Grenzsicherung zählte der Bau eines Kastells im 4. Jahrhundert. Die quadratische Befestigungsanlage (64 mal 64 Meter) hatte zwölf Türme und zwei Tore.

Diese Erkenntnisse verdanken sich vor allem den archäologischen Grabungen seit 1993. Sie wurden veranstaltet von der [extern]Außenstelle Overath der Rheinischen Bodendenkmalpflege unter der Leitung von Dr. Michael Gechter und vom [extern]Archäologischen Institut der Universität Köln unter Leitung von Prof. Dr. Thomas Fischer.

Die Stadt Monheim am Rhein stellte Haus Bürgel im Juli 1983 als Baudenkmal unter Schutz. Im Oktober 1987 wurden zusätzlich der Innenhof und ein sechzig Meter breiter Streifen um die Außenmauern herum als Bodendenkmal in die städtische Denkmalliste eingetragen.

Seit 1989 ist Haus Bürgel Eigentum der [extern]Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege. Sie ermöglichte die Restaurierung und den behutsamen Ausbau des Bau- und Bodendenkmals für neue Nutzungen:

  • Die 1991 gegründete [extern]Biologische Station Haus Bürgel betreut die Urdenbacher Kämpe und andere Naturschutzgebiete. Das Veranstaltungsprogramm umfasst Exkursionen, Vorträge, Fortbildungen und Aktionen zum Mitmachen.
  • Im 2003 eröffneten [intern]Römischen Museum Haus Bürgel sind archäologische Funde und anderes mehr ausgestellt.
  • Die [extern]Kaltblutzucht Reuter züchtet rheinische Kaltblutpferde, betreibt eine Pferdepension und bietet Planwagen- und Kutschenfahrten.

An der Grenze zwischen Römern und Germanen

In der artenreichen Auenlandschaft des heutigen Naturschutzgebiets Urdenbacher Kämpe siedelten sich im 1. Jahrhundert Menschen an, die bereits mehr oder minder stark von römischer Lebensweise geprägt waren. Als die Kriegs- und Beutezüge der Franken (Stammesverbände der Germanen) sich häuften, ließ der römische Kaiser Konstantin I. (reg. 306–337) zur Sicherung der rund 350 Kilometer langen Rheingrenze vom Vinxtbach („Grenzbach“, von lateinisch finis) bei Remagen (Rigomagus) bis zur Mündung in die Nordsee bei Katwijk (Lugdunum) eine Kette neuer Militärkastelle erbauen.

Der niedergermanische Limes setzte den obergermanisch-raetischen Limes fort. Während am Mittel- und Oberrhein eine durchgängige Grenzbefestigung mit Türmen, Palisaden und Gräben errichtet wurde, bildete am Niederrhein der Verlauf des Flusses mit seinen zahlreichen Mäandern, Nebenarmen und Altwassern ein natürliches Annäherungshindernis. Der obere Teil des Limes ist seit 2005 von der Unesco als [extern]Weltkulturerbe anerkannt, die Anerkennung auch des unteren Teils ist durch die Niederlande für 2017 beantragt.

Ob Haus Bürgel während der Regierungszeit von Kaiser Konstantion errichtet wurde oder erst in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts, lässt sich nicht mit völliger Sicherheit sagen. Zu denken gibt, dass das von 367 bis 370 errichtete [extern]Kastell Alzey (Alteium) bauliche Parallelen zu Haus Bürgel aufweist.

Nach dem Sieg der Franken über die Römer und der Rückeroberung der linken Rheinseite verfiel das Kastell und wurde erst im hohen Mittelalter wieder zu einer Burganlage ausgebaut.

Wo lag „Burungum“?

Aus „Burg“ wurde die Verkleinerungsform „Bürgel“. Über die Entstehung des Namens schrieb Franz Cramer (1860–1923) in seinen „Römisch-Germanischen Studien“ (Breslau 1914, S. 190): „Richtig ist, daß Bürgel unzweifelhaft eine Ableitung vom deutschen Wort ‚Burg‘ ist:

  • i. J. 1019 erscheint unser Bürgeler Schloß [!] als ‚castrum in Burgela‘ (Lacomblet, Urkundenb. z. Gesch. des Niederrheins I, Nr. 153);
  • 1147 heißt es ‚castrum Burgele‘ (ib. Nr. 357),
  • 1166 und 1183 Burgele (Nr. 415 und 488),
  • 1218 Burgle (ib. II, Nr. 78),
  • 1326 Burghile (III, Nr. 212),
  • später Burgel (Binterim und Mooren, Erzdiöz. Köln I, 216).“

Wie Haus Bürgel zur römischen Zeit genannt wurde, ist ungewiss. Die These, Bürgel sei mit dem aus der Antike überlieferten „Burungum“ (ursprüngliche Schreibweise: „Buruncum“) gleichzusetzen, wurde laut Otto Redlich, Direktor des Staatsarchivs Düsseldorf, „[…] zum erstenmal im Jahre 1731 aufgestellt von dem pfälzischen Rat und Referendar Lic. Adam Michael Mappius in der Einleitung zu den unter dem Namen seines Schwiegervaters, des jülisch-bergischen Vizekanzlers Brosii, herausgegebenen Annalen […]. Mappius glaubte damit dem Ansehen des bekannten Werner Teschenmacher [1590–1638] einen besonderen Stoß zu versetzen, weil dieser in seinen 1638 herausgebenen Annalen Buruncum für Worringen in Anspruch genommen hatte. Die in Bürgel gefundenen römischen Münzen aus der Zeit Trajans [reg. 98–117] und Vespasians [69–79], sowie die dort noch vorhandenen Altertümer aus römischer Zeit, schienen [Mappius] Beweis genug zu sein.“ („Wanderungen an Rhein und Ruhr“, in: Düsseldorfer Jahrbuch, 31. Band 1920/24, herausgegeben vom Düsseldorfer Geschichtsverein, Düsseldorf 1925, S. 21.)

Mappius’ Hypothese wurde aufgegriffen von Dr. Anton Rein (1804–1877). Der Rektor der Höheren Stadtschule in Krefeld veröffentlichte 1855 das Büchlein „Haus Bürgel das Römische Burungum nach Lage, Namen und Alterthümern“. Entschiedenen Widerspruch fand Rein unter anderem bei Franz Cramer, der in seine „Römisch-Germanischen Studien“ den Aufsatz „Buruncum – Worringen, nicht Bürgel“ einreihte.

„Aber schon dieser ganze Streit zeigt genugsam, daß es mit Haus Bürgel doch eine besondere Bewandtnis haben muß, und daß der für Historisches interessierte Wanderer gut tun wird, an dieser denkwürdigen Stätte ein wenig zu verweilen und, wenn es der wachsame Hofhund erlaubt, die alten Mauern dieses Gehöftes etwas in Augenschein zu nehmen“, zog Otto Redlich 1925 ein Fazit.

Der Ortsname Burungum ist überliefert im Itinerarium Antonini, einem Straßenverzeichnis aus dem dritten Jahrhundert. Darin wird Burungum als Sitz einer Reitereinheit (lat. ala) bezeichnet. Zwar sei in Worringen „bisher archäologisch kein Auxiliarkastell bekannt, das in den literarischen Quellen bezeugte Alenkastell Burungum (zwischen Köln und Neuß) kann jedoch kaum anderswo gesucht werden“, schreibt Géza Alföldy in „Die Hilfstruppen der römischen Provinz Germania inferior“ (Rheinland-Verlag, Düsseldorf 1968, S. 20).

Von der linken auf die rechte Rheinseite

Der heute vorhandene Eckturm von Haus Bürgel stammt aus dem späten Mittelalter, ruht aber auf römischem Fundament. Immer wieder wurde Haus Bürgel verändert; weg vom Hort der Armee, hin zur friedlichen Nutzung als Gutshof. Dessen Besitzer waren fast dreihundert Jahre lang die Grafen von Nesselrode, bis zum Verkauf 1989 an die Nordrhein-Westfalen-Stiftung. Die Grafen von Nesselrode errichteten 1837/38 ein neues Herrenhaus. Es beherbergt heute unter anderem das [intern]Museum.

Mächtiger als selbst der römische Kaiser war in früheren Jahrhunderten der Rhein. Bei starkem Hochwasser schafft er es sogar heute noch, das einstige Kastell im Sturm zu nehmen. Zur Römerzeit lag Haus Bürgel – wie die anderen Festungen am niederrheinischen Limes auch – auf der linken Seite des Stroms.

Es muss eine gewaltige Sturzflut gewesen sein, die Vater Rhein zwischen Weihnachten 1373 und Mai 1374 derart aus dem Bett warf, dass er Haus Bürgel seither rechts liegen lässt. Es ist einsichtig, dass die Römer ihren vorgeschobenen Posten links- und nicht rechtsrheinisch ansiedelten. Zwischen ihnen und den Stämmen der Germanen lag so der Fluss als natürlicher Schutzwall.

Der Rheinverlagerung kann die Nachwelt durchaus etwas positives abgewinnen: „Wenn Bürgel die römische Vergangenheit treuer widerspiegelt als andere Plätze seinesgleichen, so verdankt es dies zum Teil jedenfalls dem an sich widrigen Geschick, aus seinem natürlichen Zusammenhang mit dem linken Ufer herausgerissen und völlig vereinsamt zu werden. Die Stürme der Zeit brausten an dem einsamen Platze vorüber und ließen unangetastet, was sie anderswo zertrümmerten oder ganz hinwegfegten.“ (Franz Cramer, Römisch-Germanische Studien, Breslau 1914, S. 191.)

Zuletzt geändert am 21. September 2015

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Autor des Monheim-Lexikons

Michael Hohmeier
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