Monheim-Lexikon: Kradepohl

Der Platz zwischen Graben- und Drehwanstraße entstand auf dem Rest des verlandeten Festungsgrabens. Am 24. Juni 1853 beschloss der Monheimer Gemeinderat, dort eine „Wassersenk-Grube respective einen Brandteich“ anzulegen. Jene Zeiten leben im Namen „Kradepohl“ (= Krötenpfuhl) fort.

Eine rätselhafte Eiche auf dem „Neumarkt“

Auf den ehemaligen Teich bezieht sich auch der von den Anwohnern gestiftete [intern]Brunnen, der am 30. April 1973 festlich eingeweiht wurde. Auf den Beckenrand setzten sie drei wasserspeiende Amphibien. Doch immer wieder wurden die Tierchen von Unbekannten beschädigt, ehe sie schließlich ganz verschwanden. Seit August 2006 ist der alte Zustand wieder hergestellt. Rechtzeitig zum Schürefest platzierten die Altstadtfunken mit Unterstützung des Raiffeisen-Markts und befreundeter Handwerker drei neue Wasser-Frösche auf dem Beckenrand.

An der Ostseite des Kradepohls erinnert seit 1988 ein Mahnmal mit der Inschrift „Zum Gedenken an das Unrecht 1933–1945“ an die [intern]Opfer der Judenverfolgung im Dritten Reich. Die Plastik stammt von dem Baumberger Bildhauer [intern]Hans Schweizer (1925–2005).

Gromoka pflanzte Kastanien

Als „Neumarkt“ wurde der Kradepohl auf der unten abgebildeten Ansichtskarte aus dem Jahr 1906 bezeichnet. Heute ist diese Bezeichnung nicht mehr geläufig, die seinerzeit offenbar als Pendant zum Alten Markt auf der Turmstraße gewählt wurde. Das Areal unterhalb der evangelischen Kirche wurde im Lauf der Zeit mehrmals umbenannt. Ab 1933 hieß es „Kradenpohl“, ab 1937 „Langemarkplatz“. 1945 wurde der Name „Neumarkt“ wieder eingeführt, später verliert sich seine Spur.

Die bis heute gültige Bezeichnung „Kradepohl“ wurde zweimal vergeben. Der Monheimer Gemeinderat folgte am 9. Juni 1953 einem Antrag der Altstadtfunken „auf Umbenennung des Platzes an der Dorfeiche“. Laut Protokoll wurde einstimmig beschlossen: „Der Platz um die Dorfeiche erhält seinen alten Namen ,Kradepohl‘. Die anliegenden Straßenzüge dagegen behalten ihre Namen und werden durch die Umbenennung in keiner Weise berührt.“ Dieser Beschluss war offenbar in Vergessenheit geraten, als der Rat den Namen am 28. Februar 1973 noch einmal vergab.

Die Bildunterschrift enthält einen weiteren merkwürdigen Begriff: „Centenareiche“. Warum der akkurat mit Staketen umzäunte Baum eine „Jahrhunderteiche“ sein soll, ist unklar. In einem vor dem Ersten Weltkrieg erschienenen Pressebericht heißt es, die [extern]Große Monheimer Karnevalsgesellschaft habe den „Neumarkt“ mit Kastanien bepflanzen lassen und „weitere Mittel zur Anlage eines Rondells an der Zentenareiche bereit gestellt.“

Die Eiche könnte zum Jahreswechsel 1899/1900 gepflanzt worden sein, der als Jahrhundertwechsel auf Anordnung von Kaiser Wilhelm II. allenthalben feierlich begangen werden sollte. Mehr spricht aber dafür, dass der 100. Geburtstag von Kaiser Wilhelm I. am 22. März 1897 den Anlass gab. Das belegt folgender Eintrag im Tagebuch des Monheimers Wilhelm Josef König:

„In dieser Woche wurde überall der 100jährige Geburtstag des verstorbenen Kaisers Wilhelm I. gefeiert, drei Tage lang. An diesen drei Tagen sind die Fahnen nicht aus den Fenstern gekommen. […] Dienstag Nachmittags [wohl 23. oder 30. März 1897], Feier für die Erwachsenen, Nachmittags Zug zur Friedenseiche, Rede des evangelischen Pastors Böhlitz [recte: Bölitz], danach Festzug durch den ganzen Ort mit zwei Musikchören. […]“ (Karl König (Hg.): Alt-Monheimer Dokumente, Lieder, Gedichte und Geschichten, Verlag Jean König, Monheim 1989, S. 31.)

Die heute auf dem Kradepohl stehende Eiche ist jedenfalls nicht mehr die „Centenareiche“. Diese ist laut telefonischer Mitteilung (Juni 2009) von Wilhelm Pesch, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Heimatbunds Monheim am Rhein, im Dritten Reich gefällt und durch eine „Hitler-Eiche“ am heutigen Rathausplatz ersetzt worden. 1948 sei dann am Kradepohl die jetzige Eiche gepflanzt worden.

Protestanten waren in der Minderheit

Die evangelische Kirche wurde 1858 unter Pfarrer Julius Ernst Moll eingeweiht. Die Protestanten bildeten lange eine deutliche Minderheit. Die Volkszählung am 1. Dezember 1900 ergab für Monheim 1592 Katholiken, 236 Protestanten und 25 Juden. In Baumberg war das Verhältnis noch eindeutiger: 1201 Katholiken und sieben (!) Protestanten.

Am rechten Bildrand ist gerade noch der Schelmenturm zu erkennen. Interessant auch die zweirädrigen Karren, die links neben der Eiche stehen. Mit solchen von Pferden gezogenen Vehikeln wurde vor rund hundert Jahren ein großer Teil des Straßenverkehrs bewältigt.

Schürefest, Traditionsbaum und Hahneköppen

Im Schatten der Eiche schlug 1928 die Geburtsstunde der [extern]Altstadtfunken. Dort feiern die „Freunde der Dorfeiche“ seit 1953 auch das Schürefest, zunächst im Turnus von fünf Jahren in der Scheune der Familie Rüttgers. 1967 wechselte man auf den Kradepohl. Die nächsten Schürefeste waren 1971 und 1974, dann blieb man bei einem vierjährigen Turnus. Das Schürefest des Jahres 1978 fand ausnahmsweise am Pfannenhof statt. 1988, zum sechzigjährigen Bestehen der Altstadtfunken, wurde ein Zusatzfest eingeschoben.

1992 wurde auf dem Kradepohl ein 16,5 Meter hoher „Traditionsbaum“ aufgestellt, an dem sich zahlreiche Brauchtumsvereine mit ihren Abzeichen verewigten. Nachdem der Holzmast morsch geworden war, wurde 2003 ein neuer errichtet.

An alte Bräuche knüpfte die Traditionsgemeinschaft Monheim am Rhein an, als sie im September 2009 auf dem Kradepohl eine „Prummekirmes“ ausrichtete. Früher war dort von den Altstadtfunken die Herbst- oder Spätkirmes ausgerichtet worden, zum festen Programm gehörten bis 1973 das Ausgraben des Zachäus und das Hahneköppen. Im Verlauf der 1970er-Jahre beteiligte sich die St. Sebastianus-Schützenbruderschaft an der Organisation; auf dem Schützenplatz wurden Fahrgeschäfte aufgebaut.

1976 fand die letzte Kirmes auf dem Kradepohl statt, das Geschehen verlagerte sich ganz auf den Schützenplatz. Um 1990 wurde die Kirmes eingestellt, da sich inzwischen das 1979 eingeführte Septemberfest im Berliner Viertel als größte Kirmes im Stadtgebiet durchgesetzt hatte.

Bei der zu neuem Leben erweckten „Prummekirmes“ wird auch das Hahneköppen wieder praktiziert, allerdings nicht mehr mit echten (lebenden oder toten) Hähnen, sondern mit Gummi-Attrappen. Zur „Prummekirmes“ wurde selbstverständlich „Prummetaat“ serviert – Pflaumenkuchen vom Blech.

Zuletzt geändert am 13. Mai 2016

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