Monheim-Lexikon: Schulen

Beengte Klassenzimmer wichen modernen Neubauten

„Die Volksbildung lag in Monheim wie überhaupt auf dem platten Lande bis ins 19. (!) Jahrhundert hinein sehr im argen. Der öffentliche Unterricht beschränkte sich auf Religion, Schreiben, Lesen, und die Anfangsgründe im Rechnen. Er wurde […] in der Regel vom Vikar erteilt […]“, schrieb Theodor Prömpeler 1929 in seiner „Geschichte der ehemaligen Freiheit Monheim“ (Erster Teil, Kapitel 9: Die Volksbildung, S. 63–68).

Als die Stelle des Vikars längere Zeit nicht besetzt war, berichtet Prömpeler, „[…] war das Schulmeisteramt einem geweckten Bauersmann, der vielleicht zugleich Freiheitschreiber war, übertragen, zum Beispiel um 1575 und später dem ‚Johan in der Scholen‘, kurz auch ‚Scholjan‘ genannt, der den Unterricht in einem Raume seiner Behausung hielt; diese ward daher die Schule genannt. Der Scholjan muß wohl einiges Ansehen genossen haben; denn 1575 war er mit der Bürgermeisterwürde bekleidet. Um 1580–1591 war dem ‚Gerhard in der Schol‘ die Monheimer Jugend anvertraut.“ Andernorts, etwa in Zons, wurden die Küster zum Schulmeisterdienst herangezogen.

Dem Schulmeister stand ein Salär zu, das auf die Eltern der Schulkinder umgelegt wurde. Für bedürftige Familien konnte die kirchliche Armenverwaltung einspringen. Eine Schulpflicht bestand nicht, weshalb es weder Eltern noch Kinder mit dem regelmäßigen Schulbesuch besonders genau nahmen. Welche Folgen das hatte, beschreibt Prömpeler sehr anschaulich:

„Wie es […] mit der Schreibfertigkeit der Monheimer Bürger bestellt war, beweist der Umstand, daß 1659 einige Monheimer Ratsherren unter eine Urkunde ihren Namen selbst nicht setzen konnten und daher der eine oder andere Amtsbruder ihnen mit seiner Handschrift aushelfen mußte. Zwar waren im 18. Jahrhundert die Monheimer Ratsverwandten [Ratsherren] meistens fähig, ihre Unterschrift selbst zu leisten, aber manche ihre Unterschriften verraten eine derart ungelenke Hand, daß ich weitere Schreibkunst stark bezweifle.“

Der Monheimer Vogt Leopold Franz Aschenbroich habe 1772 festgehalten, „‚daß es überhaupts zu beklagen sey, daß auf’m land durchgängig die unfähigkeit im schreiben außer den haufen der protestanten ein allgemeiner Fehler sey‘.“ Dieselbe Aussage zugunsten der Protestanten sei für 1774 vom Freiheitschreiber und Schöffen Theodor Linden belegt. „Mag das Urteil […] übertrieben sein, so bleibt doch die Tatsache bestehen, daß es damals noch mit der Schulbildung der Katholiken in Monheim nach heutigen Begriffen recht schlimm aussah“, resümiert Prömpeler und fügt folgende Zahlen an:

„Noch [korrigiert aus: nach] 1807 konnten von etwa 261 Personen, die in Monheim Liegenschaften hatten, 101 überhaupt nicht schreiben; von den übrigen 160 reichte, nach den Schriftzügen zu urteilen, bei vorsichtiger Schätzung bei mindestens 40 ihre Schreibkunst nicht über die Namensunterschrift hinaus.“

Eine Ursache für das niedrige Bildungsniveau lag in der geringen fachlichen Qualifizierung so manches Schulmeisters (von pädagogischen Fähigkeiten oder menschlicher Eignung ganz zu schweigen). „Wenn in der Freiheit Monheim auch Vikare mit dem Elementarunterricht betraut waren, so waren diese damals doch nicht alle in den Elementarfächern so bewandert, daß sie darin gediegenen Unterricht erteilen konnten“, so Prömpeler, dem zufolge es katholische Familien gab, die ihre Kinder lieber in die reformierte Schule schickten, da dort mehr gelernt werde und es im Unterricht stiller zugehe.

„Bis zum Jahre 1809 waren die Monheimer Vikare allein zugleich Schulmeister; der damalige Vikar wurde wegen hohen Alters von der Regierung vom Schuldienst entbunden und ihm eine Pension bewilligt. Ein weltlicher Lehrer namens Nuiß wurde mit seiner Vertretung beauftragt. Seitdem gab es in Monheim nur noch weltliche Lehrer.“ Dadurch, vor allem aber durch eine reglementierte Ausbildung, verbesserte sich fortan der Unterricht. Mit Kabinettsordre vom Mai 1825 wurde in der preußischen Rheinprovinz die allgemeine Schulpflicht eingeführt.

Dennoch blieb der Schulbesuch saisonalen Schwankungen unterworfen, wie Zahlen aus der „Statistischen Darstellung des Kreises Solingen“, 1832 herausgegeben von Landrat Georg Freiherr von Hauer, erweisen: Demnach waren in Monheim schulpflichtig 105 Jungen und 98 Mädchen. Im Winter kamen 87 Jungen und 76 Mädchen regelmäßig zum Unterricht, im Sommer, wenn in der Landwirtschaft jede Hand gebraucht wurde, jedoch nur 64 und 58. Bei 203 Kindern insgesamt betrug die durchschnittliche Teilnahme 143. In den Werten sind katholische und evangelische Schule zusammengerechnet.

In Baumberg hingegen war die Schulmoral laut Statistik besonders hoch und das zu jeder Jahreszeit: Von den schulpflichtigen 72 Jungen und 96 Mädchen erschienen durchgehend 70 und 95, also nahezu alle; der Durchschnitt betrug 165.

Die ältesten Monheimer Schulen

Die letzte Monheimer Vikarie samt beengtem Klassenzimmer befand sich im heutigen Haus Poetengasse 14. Von 1726 bis 1766 war Johannes Eberhard (andere Schreibweise: Everhard) Schaaef (Schaff, Schaaff) Hausherr in der Vikarie. Er stiftete 1752 das Wegekreuz am Haus Poetengasse 1 / Ecke Turmstraße.

Für den [intern]Straßennamen „Poetengasse“ gibt es zwei populäre Erklärungsversuche:

  • Die Bezeichnung könnte vom einstigen Schulbetrieb herrühren, denn „Puten“ wurden in der Mundart scherzes- oder schimpfeshalber die Kinder genannt; so Fritz Hinrichs in seinen „Monheimer Kulturbildern“ (S. 124).
  • Andere Interpreten sehen eher eine Ableitung von lateinisch „puteus“, was sich mit [intern]„Brunnen“, mundartlich „Pütz“, übersetzen ließe. Über den Bau eines Brunnens in der „powetegassen“ anno 1794 berichtet Rudolf Pohlmann in Heft 6 (1983/84) der Zeitschrift „Niederwupper – Historische Beiträge“.

Zu denken gibt jedoch, dass eine „Potengasse“ bereits im Zeitraum 1620 bis 1626 genannt ist (Rheinischer Städteatlas: Monheim, Köln 2015, S. 7). Der Name reicht also weit in die Zeit vor dem Brunnenbau zurück. Eine Schule gab es im ersten Viertel des 17. Jahrhunderts zwar schon, aber wohl noch nicht in der „Putengasse“. Auch in dieser Hinsicht ist der Name älter als der angebliche Grund der Benennung.

Auf eine andere Spur führen die „Rheinischen Flurnamen“ von Heinrich Dittmaier (Bonn 1963, S. 234). Dort wird die Bezeichnung „Pot“ (andere Schreibweisen: Poot, Poth) erläutert, die „Pfütze, Tümpel“ bedeute und gerade nicht vom lateinischen „puteus“ herrühre, sondern germanischen Ursprungs sei. Pfützen oder Tümpel könnte es in alter Zeit an der heutigen Poetengasse ohne weiteres gegeben haben, als Rückstände der Rheinhochwasser, die die heutige Altstadt immer wieder heimsuchten.

Deutlich mehr Platz als die Vikarie in der Poetengasse bot (katholischen) Kindern und ihren Lehrern der 1819/20 für 3592 Taler errichtete Schulneubau östlich des Schelmenturms. Das Gebäude stand an der heutigen Alten Schulstraße (daher ihr Name), wo sich jetzt neben dem ehemaligen St.-Josef-Krankenhaus der Parkplatz mit dem großen Kastanienbaum befindet. Das Grundstück wurde der Gemeinde Monheim vom preußischen König geschenkt.

Im „Lagerbuch“, einem Verzeichnis ihres Eigentums, das die Gemeinde Monheim frühestens 1846 angelegt hat, wird über das Schulgebäude im einzelnen mitgeteilt: „Die Schule liegt außerhalb dem Orte Monheim, am Fußwege […] auf den Communikationsweg nach Langenfeld. Sie ist 69 Fuß lang, 30 Fuß breit, 12 Fuß in Iter Etage, 8 Fuß in IIter Etage hoch, die Giebelspitze hat eine Höhe von 8 ½ Fuß. Die äußern Wände des Gebäudes sind massiv von Ziegeln ½ Fuß stark und mit Kalk verputzt, die innern von Tannenholz mit Ziegeln ausgemauert […].“

Zu dem Gebäude, das im Erdgeschoss über zwei Unterrichtsräume verfügte, hat laut „Lagerbuch“ auch ein Stall gehört „für 1 Kuh und 1 Holzgelaß.“ Für 1908 ist festgehalten, dass „ein neuer Klassenraum angebaut und der südliche Klassenraum im Erdgeschoß zur Lehrerwohnung hinzugenommen“ wurde. Der vordere Teil des bis knapp an die Fahrbahn der Alten Schulstraße vorspringenden Gebäudes, zuletzt als Wohnraum genutzt, wurde im August 1956 abgerissen; der rückwärtige Teil diente bis 1969 als Kindergarten.

Im Januar 1933, gerade noch vor dem Beginn des „Dritten Reiches“, zogen Schüler und Lehrer um zur Lottenstraße, wo abermals ein Neubau errichtet worden war. Dorthin gingen dann auch die evangelischen Kinder, freilich getrennt von den katholischen. Architekt des imposanten Backsteinbaus war Ferdinand Crone, nach dessen Plänen auch das [intern]Rathaus an der Alten Schulstraße und das Direktoren- und Gästehaus der Hefefabrik in [intern]Blee entstanden.

Den Namen „Lottenschule“ (= Schule an der Lottenstraße) hatte über Jahrzehnte der Volksmund geprägt, zum fünfzigjährigen Bestehen der katholischen Grundschule wurde er 1983 offiziell vergeben. „Lotten“ ist die Verballhornung des Familiennamens [intern]Lottner.

Die ältesten Baumberger Schulen

„In Baumberg waren die Schulverhältnisse noch schlechter als in Monheim“, legt Theodor Prömpeler in der „Geschichte der ehemaligen Freiheit Monheim“ dar:

„Ob hier in früheren Jahrhunderten überhaupt Elementarunterricht erteilt wurde, erscheint sehr fraglich. Jedenfalls war die Schreibfertigkeit der ganz wenigen schreibkundigen Baumberger noch geringer als die der Monheimer […]. Über den Stand der allgemeinen Volksbildung […] kann man sich ein Bild machen, wenn festgestellt werden muß, daß 1843 von 160 Baumberger Männern 61, worunter sich wohl besonders die älteren befanden, nicht einmal ihren Namen schreiben konnten.“

Das älteste bekannte Baumberger Schulgebäude war ein heute nicht mehr vorhandenes Häuschen an der heutigen Hauptstraße in Höhe Von-Ketteler-Straße. Laut Prömpeler wurde 1709 die Baumberger Vikarie gegründet und mit ihr die bereits bestehende Lehrerstelle verbunden. „Im Jahr 1728 vermachte Peter von der Leyen, der Stifter der 1729 von Gottfried Dinkelmeyer verfertigten und 1926 umgegossenen Glocke, unter anderem ein Kapital von 100 Reichstalern, dessen Zinsen, etwa 5 Reichstaler, dem Vikar als Schulgeld für unbemittelte Kinder gezahlt werden sollten“, berichtet Prömpeler. An die Familie von der Leyen erinnern bis heute die Straßennamen „Leienstraße“ und „Altleienhof“.

Prömpeler weiter: „Bis 1814 versahen die Baumberger Vikare den Schuldienst allein. Damals verspürte der Vikar Christian Pohl [1778–1841], der ein klassisches Latein schrieb und nach maßgeblichem Urteil ‚geschickt und tätig und ein vorzüglich guter Redner‘ war, keine Lust mehr, weiter den Schulmeister zu spielen. Er betraute zunächst einen Verwandten, namens Simons, dann seinen Vetter [recte: Bruder] Johann Bapt[ist] Pohl, der noch 1829 Unterlehrer war, mit seiner Vertretung. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde zu Baumberg das Amt des Schullehrers endgültig von dem des Vikars getrennt.“

Wie es im einzigen Klassenraum der Baumberger Schule bisweilen zuging, darüber führte Lehrer Johann Baptist Pohl im Jahr 1817 lebhafte Klage (zitiert nach Fritz Hinrichs, Monheimer Kulturbilder in Geschichte und Gegenwart, Selbstverlag der Stadt Monheim, 1971, S. 151/152):

„Dieses Schulzimmer (19 Fuß lang, 13 breit und 7½ hoch) ist besonders in den fünf Wintermonaten so vollgepfropft, daß ich nur stehend unterrichten kann; denn über 100 Kinder besuchen alsdann die Schule. Sie sitzen in dem engen Raum so zusammengepreßt, daß ich in der Schreibstunde nicht zu den Tischen kommen kann […]. Auch ist dieses Zimmer eines der ungesundesten. Es ist nach Art alter Gebäude ganz niedrig, liegt zur Straße hin tiefer. Der Eintritt geht noch einen Fuß herunter, so daß die Kleinen hineinspringen oder wohl gar fallen. Bei jedem Regenguß strömt das Wasser herein und ergießt sich durch das ganze Zimmer. Ich befinde mich mit den Kindern im Schlamm und Wasser, die dann eine Freude daran haben, darin zu plätschern. Das war besonders im vorigen Sommer und ist fast jetzt noch täglich der Fall. Dahin sind also Ordnung und Stille!“

Für Abhilfe sorgte der von 1822 bis 1824 errichtete Neubau auf dem Kirchberg direkt neben der Pfarrkirche. Er wurde 1906/1907 abermals abgelöst von einem Neubau weiter südlich. Dieses Gebäude am Kreisverkehr Monheimer / [intern]Berghausener Straße ist das älteste noch in Betrieb befindliche Schulhaus im Stadtgebiet. Von 1950 bis 1952 wurde die Schule nach Plänen des Architekten Ferndinand Crone beträchtlich erweitert, 1956 folgte die Eröffnung der Turnhalle.

1972 beschloss der Rat die Benennung der Schule nach dem aus Monheim stammenden Ritter Winrich von Kniprode (geboren zwischen 1310 und 1315, gestorben 1382), dem einstigen Hochmeister des Deutschen Ordens. An Kniprode erinnert seit 1983 zudem ein Gedenkstein, den der Monheimer Steinmetz Heinrich Müller-Krott gestaltete und stiftete.

Quellen

Stadtarchiv Monheim am Rhein: Akten Nr. 20 (Lagerbuch der Gemeinde Monheim), Nr. 1619 (Chronik der Katholischen Volksschule Monheim 1954‒1984)

Dittmaier, Heinrich: Rheinische Flurnanmen, Ludwig Röhrscheid Verlag, Bonn 1963.

Hauer, Georg Freiherr von: Statistische Darstellung des Kreises Solingen im Regierungsbezirk Düsseldorf, Buchhandlung von M. DuMont-Schauberg, Köln 1832, S. 271.

Hinrichs, Fritz: Monheimer Kulturbilder aus Geschichte und Gegenwart, Selbstverlag der Stadt Monheim, Monheim 1971.

Niederwupper – Historische Beiträge, herausgegeben von der Abteilung Niederwupper der Bergischen Geschichtsvereins, Heft 6 (1983/84), S. 27–31, Heft 7 (1984), S. 54, Heft 9 (1986), S. 63.

Prömpeler, Theodor: Geschichte der ehemaligen Freiheit Monheim, Selbstverlag des Verfassers, Monheim 1929.

Rheinischer Städteatlas (Lieferung XX, Nr. 101): Monheim, bearbeitet von Elfi Pracht-Jörns, Böhlau Verlag, Köln 2015.

Zuletzt geändert am 18. April 2017

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