Monheim-Lexikon: Karneval

Ältester und größter Karnevalsverein im Stadtgebiet ist die Große Monheimer Karnevalsgesellschaft (Gromoka). Als deren Geburtsstunde muss man wohl eine „Volksversammlung“ vom 19. Januar 1902 ansehen. Dabei wurde der Ziegelfabrikant Hubert Odenthal zum „Prinzen Karneval“ gewählt, berichtete die Zeitung „Der Bote am Rhein und an der Niederwupper“.

Zu den Mitbegründern der [extern]Gromoka zählte der Mundartdichter Wilhelm Gladbach. Er wurde zum ersten Präsidenten gewählt und ließ sich das bis heute verwendete Gromoka-Motto einfallen: „Su muss et sinn – mer dunt all met“.

Monnemer Fastelovend ist noch älter als die Gromoka

Doch der Monnemer Fastelovend ist noch älter als die Gromoka. In den 1890er-Jahren sorgte bereits der Theaterverein „Humoristika“ für Kurzweil, nicht nur zu Karneval. Und der Brauch, öffentliche Maskeraden und Mummenschanz aufzuführen, lässt sich im Rheinland bis in die frühe Neuzeit und ins Mittelalter zurückverfolgen.

Dabei ging es oft hoch her, bis hin zu Ausschweifungen und Krawall. Entsprechend verpönt waren die Darbietungen bei geistlicher und weltlicher Obrigkeit. Auch als in preußischer Zeit das Karnevalstreiben allenthalben in geordnete Vereinsbahnen gelenkt wurde, machten die Behörden nicht selten Auflagen oder erließen Verbote.

Doch beim ersten Monheimer Rosenmontagszug am 10. Februar 1902 blieb alles im Rahmen, was später sogar amtlich bescheinigt wurde: „Durch die allgemeine Beteiligung und die gute Sitte, die bei ihm bewahrt blieb, rief er große Anerkennung hervor“, stellt ein 1910 erschienener Verwaltungsbericht der Bürgermeisterei Monheim fest.

Der Zug mit etwa 15 Wagen (von Pferden gezogen!) und Gruppen zu Fuß und auf Fahrrädern begann am Alten Markt, wo Prinz Hubert um 14.11 Uhr die Parade abnahm. Danach fuhren und marschierten die Jecken durch die Straßen des damals knapp 2000 Einwohner zählenden Orts.

Zwanzig Jahre ohne Rosenmontagszug

Bis 1908 wiederholte sich das Spektakel Jahr für Jahr, dann trat eine zwanzigjährige Unterbrechung ein. Erst 1928 formierte sich wieder ein Rosenmontagszug. Im selben Jahr erhielt die Narretei zusätzlichen Auftrieb durch die Gründung der [extern]Altstadtfunken. Die am [intern]Kradepohl beheimateten „Freunde der Dorfeiche“ mischen seither nicht nur im Karneval mit (traditionelle Sitzung am Karnevalsdienstag), sondern feiern auch alle vier Jahre das Schürefest.

Doch der Aufschwung war nicht von langer Dauer. In den Krisenjahren 1931 und 1932 fiel der Rosenmontagszug abermals aus. Von 1933 bis 1939 wurde der jährliche Turnus eingehalten, dann stoppte der Zweite Weltkrieg das närrische Brauchtum. Nachdem auch die Währungsreform überstanden war, machte die Gromoka 1949 einen Neuanfang. Der allererste deutsche Nachkriegs-Rosenmontagszug sei 1948 in Köln-Worringen gezogen, schreibt Toni Jägers im selbstverlegten Buch „Köln-Worringen in Geschichte und Geschichten“ (1985, S. 418).

Dass der Rosenmontagszug eine der Veranstaltungen mit dem stärksten Publikumszuspruch im Stadtgebiet ist, daran besteht kein Zweifel. Wie groß aber ist die Menschenmenge am Straßenrand? Zählt sie 40.000, 60.000, 80.000 oder gar 100.000 (all diese Zahlen wurden in der Presse schon einmal genannt)? Man muss wohl sagen: Je höher die Zahl, desto größer die Spekulation.

Baumberger haben ihren Veedelszoch

Seither unterblieb die Ankündigung „D’r Zoch kütt“ nur zweimal: 1962, als in einem saarländischen Bergwerk bei einer Schlagwetter-Explosion 299 Kumpel ums Leben gekommen waren, und 1991 wegen des Kriegs am persischen Golf. 1990 kam der Zug mit einem Tag Verspätung, denn am Rosenmontag verhinderten Orkanböen den Abmarsch.

Die Baumberger haben ihren eigenen Veedelszoch. Premiere war am 1. März 1992 unter dem Motto „In Monheim in der ersten Reih, in Baumberg sind mer live dabei“. Die Initiative ging von der 1. Baumberger Karnevalsgesellschaft 1990 aus. Bei frühlingshaften Temperaturen machte es der erste Veedelszoch recht kurz: Etwa zehn Minuten dauerte das Defilee der Wagen und Fußgruppen.

Den Kinderkarnevalszug durch die Altstadt gab es schon vor dem Zweiten Weltkrieg, in den 1990er-Jahren lebte er wieder auf. Wie in Baumberg zeigte sich in den letzten Jahren auch in anderen Stadtteilen ein Trend zu eigenen Veranstaltungen. So tragen die [extern]„Schwalbenjecke“ das närrische Treiben seit 1989 auf den [intern]Sandberg und [extern]„kis – Karneval im Süden“ seit 2003 nach Zaunswinkel und [intern]Blee.

Doll Eck – Zentrum der Weiberfastnacht

„Raderdoll und total verdötscht“ gehe es in Monheim zu, dem „Zentrum der Weiberfastnacht an Rhein und Wupper“, berichtete im Februar 1970 der Kölner Stadt-Anzeiger. Am 1. März 1973 erhielt das Geschehen am Altweiber-Donnerstag eine neue Form.

Auf Initiative von 22 Einzelhändlern, die unter Federführung von Buchhändler [intern]Karl König die Werbegemeinschaft „Einkaufszentrum am Schelmenturm“ bildeten, wurde erstmals auf der Kreuzung von Alter Schul- und Krummstraße, besser bekannt als Doll Eck, gefeiert.

Ab 11 Uhr fanden sich wohl mehrere tausend Schau- und Feierlustige ein, darunter zahlreiche „ahl Wiever“ in traditioneller Maskierung und Kostümierung – selbst die [intern]Plastik „Schwester“ vor dem St. Josef Krankenhaus war als Möhne ausstaffiert. Die Organisatoren stifteten 500 Liter Freibier aus der Monheimer Brauerei und tausend halbe belegte Brötchen.

Auf der Alten Schulstraße stand vor dem Schelmenturm ein Bierzelt. Am Eckhaus Alte Schulstraße 9 wurde ein von Eberhard Bormacher geschmiedeter Schriftzug „Doll Eck“ befestigt. Das Prinzenpaar Dieter I. und Ulla (Clohsen) ritt auf Ochs und Zebra ein und erhielt von den Einzelhändlern einen Naturalienorden.

Zuletzt geändert am 26. Mai 2017

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